Quilt und Patchwork- eine kleine aber lange
Geschichte
Der Ursprung des englischen Namens
„to quilt“ –auf deutsch „steppen“
geht zurück auf den lateinischen Ausdruck
„culcita“, was so viel bedeutet wie
gestopfter Sack. Letztlich sind Quilts Decken,
die aus einem Ober- und Rückseitenstoff und
einer wattierten Zwischenlage bestehen. Diese
drei Schichten werden durch Steppnähte zusammengehalten,
die außerdem das Verrutschen der einzelnen
Lagen verhindert.
Patchwork bedeutet nicht anderes
als Flickarbeit. Neben dem eigentlichen Aneinandernähen
einzelner Stoffteile versteht man im englischen
zusätzlich das Aufeinandernähen selbiger,
das was bei uns als Applikation bekannt ist.Ein
Patchworkquilt ist also eine aus mehreren Stoffteilen
zusammengesetzte Näharbeit, die zum Abschluss
gesteppt wird.
Wenn man heute von Patchwork
spricht, denkt man oft in erster Linie an die
bunten Bettdecken aus alten Wildwestfilmen. Aber
tatsächlich gehen die Anfänge des Patchwork
viel weiter zurück. Schon vor 3000 Jahren
hat man im alten Ägypten Wandbehänge
aus Flicken zusammengesetzt. Das uns älteste
bekannte Exemplar ist eine ägyptische Baldachindecke
aus dem 9. Jhd. vor Chr. die im ägyptischen
Museum in Kairo zusehen ist. Man geht davon aus,
dass vor allem Gebrauchstextilien zum Schutz vor
Kälte genäht wurden, die aber auf Grund
von Verschleiß nur noch teilweise erhalten
geblieben sind.
Später gelangte die Patchworktechnik
nach Japan und China und im 11. Jhd. durch die
Kreuzfahrer nach Europa. Hier wurden zunächst
Wandbehänge mit religiösen Motiven angefertigt,
später auch Umhänge und Banner mit heraldischen
Motiven. Erhalten geblieben ist das Bußkleid
der heiligen Elisabeth, das in einem Schrein im
Kloster bei Trier aufbewahrt wird. Da Stoffe zu
der Zeit noch sehr teuer in der Herstellung waren,
dienten sie bis zum 18. Jhd. vorwiegend nur den
Reichen als Decken, Wandbehänge und Kleidung
zum Schutz in den zugigen Behausungen. Erst im
Zuge der Industrialisierung wurden Stoffe auch
für die einfache Bevölkerung erschwinglicher.
Patchwork wurde damals zu einer praktischen Handarbeit.
Zu der Zeit entstand auch der
heute noch bekannte Brauch, dass ein Mädchen
vor der Hochzeit 12 Quilts für die Aussteuer
anfertigen sollte, der 13. war der sogenannte
Hochzeitsquilt, der erst nach der Verlobung genäht
werden durfte. Desto komplizierter die Muster
waren, umso geschickter galt die Braut.
Mit den Auswanderern gelangte
auch die Tradition des Patchwork nach Amerika.
Aus einer materiellen Not heraus fertigten die
Siedlerfrauen aus verschlissener Kleidung wärmende
Decken. Dazu traf man sich zu sogenannten Quiltings.
Mehrere Frauen aus der Umgebung nähten meist
an einem Quilt und tauschten dabei neben Neuigkeiten
auch neue und alte Muster aus. Die so entstandenen
Quilts waren bei den Siedlern so beliebt, dass
sie neben anderen Dingen wie Möbeln, Land
und Geld testamentarisch vererbt wurden. Quilts
aus dieser Zeit werden heute noch von Sammlern
für hohe Summen gehandelt.
Die uns heute geläufige
Tradition des Patchwork hat also in den Siedlerzeiten
der damaligen Zeit seine Anfänge. Viele uns
bekannte Muster wie Log Cabin, Dutchman Puzzle,
Lacob`s Ladder oder Lincolns Platform wurden von
den Quilterinnen entwickelt und weitergegeben.
Für die Erhaltung dieser Tradition sorgten
maßgeblich die Amish People. Anhänger
dieser Glaubensgemeinschaft stammten überwiegend
aus Deutschland und der Schweiz, deren Name auf
den Schweizer Mennonitenpfarrer Jacob Amman zurückgeht.
Durch Verfolgung zur Auswanderung gezwungen, konnten
sie in der Neuen Welt nach ihren moralischen Vorstellungen
von Armut, Demut und Schlichtheit leben. Die Einfachheit
ihres Lebens spiegelt sich häufig in ihren
Quilts wieder, die heute noch als Kunstgegenstände
gehandelt werden.
Vor ungefähr 30 Jahren feierte
der Quilt sein Comeback in Europa. Neue Stoffe
und Techniken machen es jeder Quilterin möglich,
eigene kleine Kunstwerke zu schaffen. Der Kreativität
sind nahezu keine Grenzen zu setzen.
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